In einer unübersichtlichen, beschleunigten und risikoreichen Welt suchen wir im offenen Dialog, im Rückgriff auf Alltagserfahrungen und in Auseinandersetzungen mit Wissenschaften, Künsten und öffentlichen Diskursen eine tragfähige persönliche Orientierung. Dabei stellen wir unser individuelles Leben in einen größeren Zusammenhang. Angesichts simultaner Krisen auf unterschiedlichen Ebenen sind wir herausgefordert, ein planetarisches Bewusstsein zu entwickeln, eine globale säkulare Ethik mit konsensfähigen Regeln und starken transnationalen Institutionen. Die zunehmende Verknappung von Ressourcen und der spürbare Klimawandel verschärfen zweifellos die Konflikte und zwingen uns, über neue Formen des Wirtschaftens ohne Wachstumszwang nachzudenken. In diesem Zusammenhang ist eine Erweiterung des Aufklärungsbegriffes um die emotionale und die ökologische Dimension notwendig. Globalisierung befördert zwar einerseits ein Weltbürgertum, verstärkt aber anderseits kulturelle Identitätskrisen mit Tendenzen zu Nationalismus und Regionalisierung.

Der technische Fortschritt ist kaum abzuschätzen und zu steuern. Bei aller Euphorie im Zusammenhang mit Digitalisierung, Künstlicher Intelligenz, Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit, sollten wir auch mögliche Nebenwirkungen dieser Entwicklung im Auge behalten. Die Biotechnologie erlaubt uns, zunehmend tiefer in Lebensprozesse einzugreifen. Mit diesem neuen Kontext ändert sich schleichend auch unser alltägliches Bewusstsein. In unserer postmodernen Schwellenzeit sind Individuen und Gesellschaften häufig überfordert und erschöpft. Zugleich wuchern simplifizierende Verschwörungstheorien, ausgrenzendes Sektierertum und reduktionistische Fundamentalismen. Dabei geht es letztlich um Sinnfindung in einem zeitgemäßen Weltbild, im Spannungsfeld von Wissenschaft, Kunst und Religion.

Wir beziehen uns in unserem Kreis auf die Weltgeschichte der Philosophie mit ihren unterschiedlichen Methoden und Richtungen, berücksichtigen sowohl individualistische als auch kollektivistische, säkulare und religiös geprägte Gesellschaften. Ausgangspunkt sind dabei immer Fragen, die uns die Gegenwart stellt. Die Erkenntnisse der Naturwissenschaften verbinden wir mit denen aus den Geistes- und Sozialwissenschaften, um einen reduktiven Naturalismus/Materialismus zu vermeiden. Durch die Begegnung mit dem Fremden gewinnen wir transkulturelle Perspektiven, lernen unsere eigenen Traditionen besser zu verstehen und im Dialog die Angst vor unvermeidlichen Veränderungen abzubauen. In einem zyklischen Prozess kehren wir dabei immer wieder zu unseren biografischen und historischen Wurzeln zurück und fragen nach dem spezifischen kulturellen Beitrag Deutschlands und Europas zur Weltgemeinschaft.

In der Praktischen Philosophie eines Seniorennetzwerks dürfen natürlich Überlegungen zu einem Altern in Würde, zu Krankheit, Sterben und Tod, zur Balance von Kontemplation und Aktion nicht fehlen. Unser Gehirn, das sich in Jahrmillionen entwickelte, ermöglicht die schnelle Anpassung an wechselnde natürliche und künstliche Umwelten. Die uns von den Tieren unterscheidende Weltoffenheit und Kreativität sowie ein selbstbezügliches Bewusstsein befähigt uns darüber hinaus, immer weiter in den Mikro- und Makrokosmos vorzudringen, unser Denkorgan selbst zum Gegenstand zu machen, staunend nach dem Ganzen der Welt und unserer Stellung im Kosmos zu fragen. Da jede Antwort mindestens zwei neue Fragen aufwirft, bleibt für uns immer ein Geheimnis, was die Welt im Innersten zusammen hält (ignorabimus). Wir können zwar die Zukunft langfristig nicht vorhersehen, lernen aber mit Blick auf unsere Geschichte, was wir besser nicht tun sollten und wozu Menschen fähig sind - im Guten wie im Bösen. Als idealen Teilnehmer unseres Philosophischen Salons stelle ich mir einen lebenserfahrenen, neugierigen und mutigen Menschen vor, für den „Liebe zur Weisheit“ deren Besitz ausschließt. Wenn wir im Dialog trotzdem etwas weiser werden sollten, so nehmen wir das gerne als Nebenwirkung in kauf. In der Philosophie geht es immer um die Gesamtschau der Wirklichkeit und den daraus folgenden ethischen Konsequenzen – in einer gesunden Mischung von Vertrauen und Zweifel, Reflexion und Handeln. So lässt sich nicht zuletzt ein unfruchtbares Grübeln vermeiden.

  • Mitgefühl ist die wahre Quelle aller Gerechtigkeit. A.Schopenhauer

  • Die Lösung eins Problems zeigt sich am Verschwinden der Frage. L.Wittgenstein

  • Wir erleben mehr als wir begreifen. H.P.Dürr Wer nicht genießt, wird ungenießbar. F.Schiller.

  • Glaube nicht alles, was du denkst. H. Sunim

  • Bewusstsein ist eine selbstbezügliche Information. Th. Görnitz

  • Nicht was du weißt, sondern was du willst, macht deinen Wert aus. R.W. Emerson

  • Humor ist der Schwimmgürtel im Meer des Lebens. P.Altenberg

  • Das Schönste, was wir erfahren können, ist das Geheimnis. A.Einstein

  • Wer ein Warum zum Leben hat, erträgt fast jedes Wie. V. Frankl

  • Philosophie nützt nichts, wenn sie nicht die Leiden der Seele vertreibt. Epikur

  • Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum. F. Nietzsche

  • Auf einem verstimmten Instrument läßt sich kein reiner Ton erzeugen. Y.Menuhin

  • Der Weise unterscheidet zwischen Veränderbarem und Bleibendem. R.Niebuhr

  • Es macht keinen Sinn, in der falschen Richtung das Tempo zu erhöhen. H.Rosa

  • Zeitknappheit hat ihre letzte Ursache im Bewußtsein unserer Sterblichkeit. O. Marquart

  • Altern ist ein Zweifrontenkrieg gegen das Vergessen und Vergessenwerden. H.D. Hüsch

  • Das Leben wird vorwärts gelebt und rückwärts verstanden. S.Kierkegaard

  • Was für eine Philosophie man wähle, hängt davon ab, was für ein Mensch man ist. J.G.Fichte

  • Nicht die Dinge selbst beunruhigen uns, sondern unsere Meinungen über sie. Epiktet

  • Der Zufall ist entweder eine Herausforderung oder ein Geschenk. B.Franklin

  • Aus so krummem Holz, woraus der Mensch gemacht ist, läßt sich kein ganz gerades zimmern. I.Kant

 

Dipl.-Psych.Alexander Hofer